CRISTINO (GER), 2001

Sternkönig - Cominales

 

 

Züchter: Gestüt Röttgen

 

Besitzer: Nicole Billaudelle

 

Rennkarriere: von 2003 - 2005 mit 11 Starts

 

Gewinnsumme: 11.300,00 EUR

 

Heutiger Einsatz: Reitpferd

 

Cristino wurde am 18. April 2001 auf dem Gestüt Röttgen geboren. Bei 11 Starts wurde er 2x Sieger und 3x platziert. Unbestätigten Gerüchten zufolge wurde seine Rennkarriere aufgrund von Lungenbluten beendet.

Im März 2005 wurde er von einer Besitzer-Trainerin gekauft, die ihn vorerst aufnahm und zum Weiterverkauf in Warendorf anbot.

Dort wurde er im August 2005 von einer jungen Frau entdeckt, die ihn kaufte und in der Nähe von Bielefeld einstellte. Sie päppelte Cristino auf und brachte ihm das Longieren bei.

 

Im März 2007 bot sie ihn zum Verkauf im Internet an. So landete "Tino" bei mir in Hannover-Langenhagen.

Langsam fing ich an, ihn zu longieren und mehr und mehr auch zu reiten. Verwunderlich war nur, dass er beim Satteln sehr unruhig war und sich beim Reiten recht faul zeigte .. nach ein paar Wochen war klar, dass mit Tino etwas nicht stimmte. Er wurde beim Aufsteigen immer hektischer und war beim Reiten verkrampft.

 

Unmittelbar nach diesen ersten Anzeichen hatte ich Ende April 2007 starke Schwierigkeiten, überhaupt noch aufzusteigen - er bockte und stieg, sobald ich mit meinem Fuß auch nur den Steigbügel berührte.

Anfang Mai 2007 zog ich einen Tierarzt hinzu - Tino wurde 5 Stunden in der Tierklinik untersucht - Vortraben, Longieren, Aufsteigen, Reiten, Röntgen, Ultraschall, Schmerzindikation, wieder Aufsteigen, Reiten, usw. Es war die Hölle - für Tino und für mich.

 

Diagnose : Exostosen (Verknöcherungen) am Nackenband in Höhe des 1. Nackenwirbels, Ansatz von Kissing Spines in Höhe des 3. und 4. Lendenwirbels. Ratschlag : Zwei Wochen Longieren bei völliger Kopffreiheit, ohne Sattel. Ein S-Dressurpferd wird er nie. Schock. Nicht, dass ich eine S-Dressur reiten wollte + könnte, aber in dem Moment fühlte ich mich, als würde eine Welt zusammenbrechen.


Ich begann, Tino täglich nach einem Plan zu longieren. Erst baute ich durch viel Schritt und Trab seine Kondition auf, und nahm dann weitere Elemente hinzu - Dreieckszügel, Trabstangen, Cavalettis.

 

Ich habe mir in dieser Zeit viele Gedanken gemacht und mich letztendlich entschieden, mir alle Zeit der Welt zu nehmen, um mit Tino zu arbeiten. Ich wollte nicht wieder aufsteigen, ohne sicher zu sein, dass der Zeitpunkt für uns beide richtig ist. Aus den ursprünglichen 2-3 Wochen wurden 5 Monate, in denen der Sattler immer wieder die Lage des neuen Sattels überprüfte.

 

Ende Oktober 2007 war es dann soweit - ich stieg zum ersten Mal wieder in den Sattel - völlig problemlos und ganz entspannt.

 

Im Dezember 2007 wurde Tino unglücklicherweise von einem ausparkenden Pkw angefahren, was trotz allem glimpflich ausging - eine Blockade im Kreuzdarmbeingelenk war die Folge. Das führte wiederum zu einer Zwangspause von 8 Wochen. Für Tino sind Pausen in der Arbeit immer ein großer Rückschritt - die ersten Tage läuft er wieder etwas "klemmig" und braucht länger, sich zu lösen. Die Longenarbeit ist uns da immer noch eine große + wichtige Hilfe.

 

Im April 2008 zogen wir um - nach Langenhagen/ Altenhorst auf den Reithof Wieters www.reithof-wieters.de. Der Grund für diesen Stallwechsel bezog sich auf die Reitanlage und die Haltung. Dort stand uns eine neue Reithalle 20x40m, ein beleuchteter Aussenplatz, ein Springplatz, ein Solarium und eine Longierhalle zur Verfügung. Im Sommer stand er 24h in der Herde auf der Weide.

Oktober 2008 - Tino lebte sich großartig am neuen Stall ein. Die 24h - Weidenhaltung bekam ihm sehr gut. Durch die ständige Bewegung und das Grasen hatten sich seine Rückenprobleme erheblich verbessert. Nach konstanter Cavaletti-Arbeit konnten wir sogar unseren ersten kleinen Sprung meistern. ;)

 

Das Solarium wurde für seine Rückenmuskulatur im Winter ein treuer Freund.

Leider hatte Tino es im Februar wieder einmal geschafft - und sich diesmal durch Festlegen in seiner Box eine weitere Blockade am Kreuzdarmbeingelenk zugezogen.

Nachdem auch der Chiropraktiker nicht viel für ihn tun konnte, fuhren wir Anfang März 2009 spontan zu Familie Hanken nach Filsum (www.pferde-reha-filsum.de), um Tino von Tamme Hanken einrenken zu lassen.

Im Anschluß blieben wir eine Woche vor Ort, um Longen- und Reitunterricht bei Carmen Hanken zu nehmen und Tino auch über den Aquatrainer zu stabilisieren. 

 

Durch das Training fand ich einen neuen Weg, auf Tino einzugehen und mich selbst dabei zu entspannen. 

Das Frühjahr über arbeiteten wir nach Carmens Prinzip langsam weiter - leider mussten wir jedoch immer wieder pausieren, da Tino zunehmend auf Kriegsfuß mit seinen Eisen stand - er schaffte es innerhalb von 2 Monaten, sich gleich 5 Mal ein Eisen auf der Weide abzutreten ..

 

letztendlich entschieden mein Schmied & ich im Juni 2009, dass wir ihm die Eisen abnehmen, um evtl. schlimmere Verletzungen zu vermeiden.

So durfte sich Tino langsam an sein Barhuf-Dasein auf der Weide gewöhnen. Für harte Untergründe wie Asphalt + Schotter verwendete ich in der Übergangsphase Hufschuhe. Durch die regelmäßige Bewegung und Pflege gewöhnten sich seine Hufe wesentlich schneller als gedacht, so dass Cristino inzwischen ein problemloser Barhufer ist.

 

Entsprechend konnte er den Sommer überwiegend auf der Weide geniessen, ohne großartig arbeiten zu müssen :

In etwa zur selben Zeit stand fest, dass Tino durch mich bald in den Mutterschutz geschickt werden würde - aus dem Grund fing ich nach der Umstellung zum Barhufer auch nicht wieder ernsthaft an, mit ihm zu arbeiten.

 

Ende September 2009 brachte ich Tino auf den landwirtschaftlichen Hof einer Freundin in die Nähe von Magdeburg, um Tino während der Pause eine gepflegte + vernünftige Offenstallhaltung zu ermöglichen.

Innerhalb von ein paar Minuten gab er uns bereits zu verstehen, dass er mit dieser Entscheidung sehr zufrieden ist. Er gewöhnte sich noch am selben Tag an den "Fresstand" und seine neuen Stallnachbarn. Lediglich die angrenzenden Kuhweiden irritierten ihn noch ein wenig. :)

 

Letztendlich blieb Tino gut 1,5 Jahre in dem Offenstall, mauserte sich zu einem robusten & ausgeglichenem Kerl.

Bei meinen Besuchen erkannte er mich nach wie vor und kam auf mich zu, wobei mir jedes Mal mein Herz aufging.

Im Gegensatz zu früher war Tino nicht einmal nennenswert verletzt, hatte sich gut in die Herde integriert und wurde schlichtweg mehr Pferd.

Ich habe die Zeit genutzt, um auch nochmal über das ein, oder andere nachzudenken .. ich glaube, dass man machmal im täglichen Umgang dazu neigt, Pferde zu sehr zu vermenschlichen. Man macht sich Gedanken über die richtige Haltung, das Futter, Eindecken - oder nicht, und und und.

Im Februar 2011 stand der nächste Besuch bei Tino an. Dieses Mal hatte ich mich allerdings doch ein wenig erschrocken - der zweite Winter hatte ordentlich an ihm gezehrt. Keine Muskulatur mehr, keine Fettreserven, usw.

 

Ich beschloss, Tino wieder zu mir nach Hause zu holen. Geplant war immer, wieder in den schönen Reitstall nach Altenhorst zurückzukehren. Aufgrund seiner Gelassenheit wollte ich ihm die Offenstall-Haltung aber nicht wieder nehmen und begab mich auf die Suche nach einem neuen Zuhause ..

Mai 2011 - Tino kam nach Hause !! In einen wunderschönen Offenstall, der wirklich gut durchdacht ist: www.shagyasandfriends.de.

 

Leider hatte er in den paar Monaten nochmal weiter abgebaut. Ich glaube, dass ihm auf lange Sicht einfach doch eine Bezugsperson/ ein Arbeitsauftrag gefehlt hat. Recht abgemagert, übersät von kleinen Macken und Schrammen kam mein treuer Partner endlich wieder zu mir.

Die ersten Wochen bestanden nur aus Füttern, Pflegen, Füttern, Pflegen. Und natürlich durfte Tino auch den Familienzuwachs nun endlich ins Herz schließen. ;)

 

Bereits nach wenigen Wochen sah er um Längen besser aus und hatte ordentlich an Kraft gewonnen. Die Zusammenführung in die Herde funktionierte absolut problemfrei. Er ist angekommen.

Man konnte Tino beim Aufbauen sprichwörtlich zugucken. Viel schneller als gedacht begannen wir wieder mit dem Longiertraining und den ersten Aufsteigversuchen.

 

Anfang Juli 2011 saß ich nach über 2 Jahren also das erste Mal wieder im Sattel. 

Da kann man auch schon mal ein Tränchen verdrücken .. ;)

 

Nun heißt es für uns beide - Kondition aufbauen, lernen, festigen. Wir fangen endlich wirklich an. Nicht jeder Weg verläuft eben gerade .. und genau das ist es, was immer wieder den Reiz an der Arbeit mit einem Vollblüter ausmacht.